Hochbox oder Tiefbox? Das passende Liegesystem für den Betriebsalltag

Beide Liegeboxensysteme können Kühen hohen Komfort bieten – entscheidend sind ausreichend Platz, ein weicher Untergrund sowie eine konsequente Pflege. Welche Lösung zum Betrieb passt, hängt vor allem von den verfügbaren Arbeitskapazitäten, dem Einstreumanagement und den individuellen Anforderungen im Stall ab.
Lesezeit 4 Minuten Kategorie Milchvieh

„Die Milch wird im Liegen produziert“ – an dieser bekannten Aussage ist viel dran. Im Liegen wird das Euter besonders gut durchblutet, außerdem findet das Wiederkauen überwiegend in dieser Ruhephase statt. Umso wichtiger ist eine Liegebox, die Kühen Sicherheit, Weichheit, Bewegungsfreiheit und Hygiene bietet. 

Ob Hochbox oder Tiefbox: Einen allgemein gültigen „goldenen Weg“ gibt es nicht. Beide Systeme können tiergerecht und wirtschaftlich funktionieren. Maßgeblich ist, dass das gewählte Konzept dauerhaft zum Management und zu den Arbeitsabläufen des jeweiligen Milchviehbetriebs passt.

Liegekomfort, Hygiene und Management sollten bei der Auswahl des passenden Liegesystems bedacht werden© KRAIBURG Elastik

Tiefbox: hoher Komfort bei konsequenter Pflege

Gut gepflegte Tiefboxen werden von Kühen gerne angenommen. Eine dicke, ebene und durchgängige Matratze aus organischem Material bietet einen weichen, gelenkschonenden Untergrund. Der Komfort einer Tiefbox steht und fällt jedoch mit ihrem Pflegezustand. Wird zu wenig oder unregelmäßig eingestreut, kann die Matratze uneben werden und Kuhlen bilden. Feuchtigkeit bleibt länger in der Box, die Oberfläche verliert an Attraktivität und die Liegezeiten können sinken. Besonders im vorderen Bereich besteht dann das Risiko, dass Kühe auf hartem Untergrund mit möglichen Belastungen für die Karpalgelenke liegen. 

Eine Lösung hierfür ist POLSTA. Das rund 10 cm starke Tiefboxenkissen ersetzt einen Teil des Unterbaus im schwer zu pflegenden Kopfbereich und unterstützt eine komfortable, gleichmäßige Liegefläche. Die strukturierte Oberfläche hält Einstreu gut fest und trägt zu einem geringeren Pflege- und Einstreuaufwand bei. Untersuchungen aus der österreichischen HBLFA Raumberg-Gumpenstein haben gezeigt, dass deutlich weniger Einstreu und Arbeit benötigt wird und die Karpalgelenke bereits nach kurzer Zeit auf POLSTA gesünder werden ¹.

Das Tiefboxenkissen POLSTA erleichtert die Bewirtschaftung und spart Einstreu© KRAIBURG Elastik

Für eine dauerhaft funktionierende Tiefbox sind ausreichend Einstreumaterial, Know-how beim Aufbau der Matratze und konsequente tägliche Pflege unverzichtbar. Bereits bei der Stallplanung sollte der höhere Arbeits- und Materialaufwand realistisch berücksichtigt werden.

Hochbox: konstante Weichheit mit reduziertem Pflegeaufwand

Hochboxen mit hochwertigen, weichen Liegematten bieten einen dauerhaft gleichbleibenden Untergrund. Im Unterschied zur Tiefbox bleibt der Komfort der Matte auch dann erhalten, wenn die Einstreu zeitweise weniger üppig ausfällt. Das kann besonders in Arbeitsspitzen eine wertvolle Entlastung sein.

Entscheidend ist allerdings die Qualität des Liegebelags: Matten ohne ausreichende Weichheit können die Gelenke belasten. Für Milchvieh sollten deshalb komfortable, elastische Systeme gewählt werden, die den Anforderungen der DIN 3763 entsprechen und neben der Weichheit auch Kriterien wie Rutschfestigkeit und Haltbarkeit berücksichtigen. KRAIBURG bietet eine große Auswahl an geeigneten Liegebelägen.

Das Matratzensystem KEW Plus Visco TarsaCare für optimalen Liegekomfort bei einfachem Management© KRAIBURG Elastik

Auch Hochboxen benötigen Pflege. Eine dünne Schicht trockener, saugfähiger Einstreu bindet Feuchtigkeit, unterstützt eine hygienische Liegefläche und schützt Haut und Fell. Ganz ohne Einstreu und tägliche Kontrolle funktioniert auch eine moderne Hochbox nicht.

Platzangebot und Hygiene sind in jedem System entscheidend

Unabhängig vom Boxensystem brauchen Kühe ausreichend Raum, um sich natürlich abzulegen, entspannt zu liegen und sicher aufzustehen. Zu kurze Liegeflächen oder eine zu restriktive Steuerung begünstigen Schrägliegen und eine Positionierung zu weit hinten. Das kann die Sauberkeit der Liegeboxen und der Tiere beeinträchtigen.

Ebenso wichtig ist eine trockene, durchgängig eingestreute Oberfläche. Sie reduziert den Keimdruck in der Liegebox und hilft, Hautreizungen sowie Liegeschäden an den Gelenken vorzubeugen. Regelmäßige Pflege muss daher fest im täglichen Stallablauf verankert sein – bei Tiefboxen mit deutlich höherem Aufwand als bei Hochboxen.

maxiBOX für erhöhte Tiefboxen vereint die Vorteile einer Tiefbox mit denen der Hochbox© KRAIBURG Elastik

Kombisystem als Alternative

Für Betriebe, die die Vorteile beider Systeme miteinander verbinden möchten, können Kombilösungen eine interessante Möglichkeit sein. Mit maxiBOX bietet KRAIBURG beispielsweise einen Liegebelag für erhöhte Tiefboxen. Die Gummi-Profilierung unterstützt eine konstante Weichheit, hält lose eingestreute Materialien besser in der Box und ermöglicht eine flexible Bewirtschaftung, auch mit Strohmist-Matratze. Gummi-Bugschwelle und Profil mit integrierten Drainage-Öffnungen hinten komplettieren das System. Die Profile zur seitlichen Liegeflächenabgrenzung vermindern das Verrutschen von Einstreu.

Das 4-Komponenten-System maxiBOX sorgt für ganzjährige Funktionssicherheit© KRAIBURG Elastik

Die betriebsindividuelle Lösung zählt

Die Entscheidung zwischen Hoch- und Tiefbox sollte nicht allein anhand des gewünschten Liegesystems getroffen werden. Entscheidend ist eine ehrliche Einschätzung der eigenen Arbeitssituation: Stehen ausreichend Zeit, Personal und geeignete Einstreumaterialien für die intensive Pflege von Tiefboxen zur Verfügung? Oder bietet eine Hochbox mit weichem Liegebelag die verlässlichere Lösung für den Betriebsalltag?

Wenn Liegekomfort, Platzangebot, Hygiene und Pflege konsequent zusammengedacht werden, können beide Systeme zu gesunden, ruhenden und leistungsbereiten Kühen beitragen.

Liegekomfort ist Grundlage für gesunde Kühe und hohe Leistung© KRAIBURG Elastik

¹ Pausch, Moser, 2020; Ofner-Schröck et al., 2018.

 

Weitere Informationen:

Ratgeber Hochbox oder Tiefbox

Presseinfo Mehr Raum für natürliches Liegen

Ratgeber Kuhgerechtes Liegen

Ratgeber Die perfekte Liegebox

Info zu langen Liegeflächen

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Über KRAIBURG Elastik

Gummiwerk KRAIBURG Elastik GmbH & Co. KG entwickelt und produziert seit 1968 elastische Bodenbeläge aus Gummi für die Rinder- und Pferdehaltung. Rund 200 Mitarbeitende verbinden am bayerischen Standort Tittmoning Erfahrung in der Gummiverarbeitung mit praxisnaher Produktentwicklung. Ziel ist, mit innovativen Lösungen Tierwohl, Sicherheit, Leistungsfähigkeit und effizientes Stallmanagement zu unterstützen. Die DIN-konformen Produkte werden im eigenen Labor, in Testställen und durch unabhängige Institute geprüft. KRAIBURG Elastik trägt das DLG-Qualitätssiegel „KONTINUIERLICH GEPRÜFT“. Der Stallboden-Spezialist setzt auf eine ressourcenschonende Produktion und verwendet Reifengummi als Rohstoff für robuste Bodenbeläge weiter. Das Unternehmen ist Teil der KRAIBURG-Gruppe.

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