Möglichkeiten zur Fütterungskontrolle bei Milchkühen

Ist die Futterration nicht korrekt zusammengesetzt oder nimmt die Kuh das kalkulierte Futter nicht auf (Lahmheit, Verdrängung am Fressplatz, Appetitmangel), so kann dies zu Stoffwechselschieflagen führen. In der Folge treten häufig vermehrt Klauenerkrankungen und Liegeschäden (z. B. am Sprunggelenk) auf.

Einige einfache Merkmale weisen direkt vor Ort im Stall und am Tier auf mögliche Fütterungs- bzw. Futteraufnahmeprobleme hin – in diesem Fall kann es sinnvoll sein, einen Tierarzt oder Fütterungsberater zu Rate zu ziehen.

Hier folgen einige Beispiele (Quelle: Malkow-Nerge/Tischer, 2008):

1) Pansenfüllung

Die Beurteilung erfolgt links hinter dem Tier stehend.

  • Pansennote 1 (eingefallene Hungergrube mehr als eine Hand breit tief) → alarmierend
  • Pansennote 2 (eingefallene Hungergrube eine Hand breit tief) → alarmierend
  • Pansennote 3 (Pansen wölbt sich apfelförmig aus und fühlt sich fest an, Hungergrube noch sichtbar) → erwünscht für laktierende Kühe
  • Pansennote 4 (keine Hungergrube sichtbar) → erwünscht für Kühe am Laktationsende
  • Pansennote 5 (kein Übergang von Flanke zu Rippe) → erwünscht für trockenstehende Kühe und Färsen

2) Wiederkauverhalten

Die Beurteilung erfolgt durch Zählen der Wiederkauschläge bei mehreren Kühen mit hoher Milchleistung.

  • verminderte Wiederkauaktivität → Hinweis auf Rohfasermangel, kann zur Pansenazidose führen
  • mindestens 40 %, besser 60-65 % der Kühe in den Liegeboxen sollten wiederkauen
  • mindestens 50 Kauschläge bis zum Abschlucken sind erwünscht

3) Kotkonsistenz

Der Kot ist ein Spiegel der Verdauung und kann Hinweise darauf geben, ob beispielsweise Nährstoffe gut ausgenützt werden, die Wasserversorgung ausreichend ist, zu viel oder zu wenig Faser oder Protein aufgenommen wurden.

  • Note 1 (sehr flüssiger, bogenförmiger Strahl) → alarmierend
  • Note 2 (dünnbreiiger Kot mit geringer Fladenbildung) → alarmierend, Verdacht auf zu viel Eiweiß bzw. zu wenig Rohfaser
  • Note 3 (2-4 tellergroße Fladen, 3-4 cm hoch, welche an der Stiefelspitze kleben) → erwünscht
  • Note 4 (5-8 cm hohe Fladen sowie feste Scheiben > 8 cm hoch) → weisen bei laktierenden Kühen auf eine unausgewogene Ration (zu wenig Energie, zu wenig Eiweiß) oder Wassermangel hin

4) Milchinhaltstoffe

  • Der Milchfettgehalt spiegelt die Strukturversorgung wieder. Ziel: > 3,8 % (HF)
  • Der Milcheiweißgehalt spiegelt die Energieversorgung wieder. Ziel: > 3,3 % (HF)
  • Der Fett-Eiweiß-Quotient lässt Schlüsse auf die Gesundheitslage und Rohfaserversorgung zu. 
    • Bei Frischlaktierenden weist ein F/E > 1,5 auf Energiemangel hin (Ketose?)
    • Bei Frischlaktierenden kann ein F/E < 1,0 einen Strukturmangel anzeigen 
      (Azidose?)
  • Der Harnstoffgehalt spiegelt das Verhältnis von Eiweiß zu Energie wider.
    • Harnstoffgehalt > 30 mg/100 ml → in der Herde: zu wenig Energie
    • Harnstoffgehalt < 15 mg/100 ml → in der Herde: zu wenig Eiweiß, beim Einzeltier: schlechte Futteraufnahme
  • Optimal: Harnstoffgehalt 25 mg/100 ml

Wichtig: Nicht nur die korrekt berechnete Ration ist wichtig, sondern in erster Linie das tatsächlich aufgenommene Futter. Hier beeinflussen neben schmerzhaften Klauenerkrankungen auch die Futtertischgestaltung, das Futterkrippenmanagement, das Tier-Fressplatzverhältnis, die Wasserversorgung sowie Verzehrseigenschaften und vieles mehr!

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